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1600 erhält das Pflegegericht Aibling neben Rosenheim und Wasserburg eine der ersten Landfahnen. Das Pflegegericht umfaßte damals 161/2 Quadratmeilen, 2 Klöster, II Schlösser, l Markt, 152 Dörfer, 3.495 Häuserund 19.811 Einwohner. Der Gerichtsbezirk ging aber über das Areal des ehem. Landkreises Aibling noch hinaus, da auch Happing, Kirchdorf/l., Pfraundorf, Großholzhausen, lrschenberg, Föching, Holzolling und andere dazugehörten.Zur Finanzierung der Landesdefension wurde von allen Einwohner ein "Rüstgeld" erhoben. Es betrug für den Gerichtsbezirk Aibling insgesamt1.177 Gulden - ein für damalige Zeiten hoher Betrag. 1632 wurden besonders gute Schützen und die berufsmäßigen Jäger zu den Landesgebirgsschützen befohlen, die unter dem Kommando des Grafen Wolf von Maxirain standen. 1648 Im letzten Jahr des 30-jährigen Krieges nach Pest und aller Not, schlug den Aiblinger Schützen ihre Schicksalstunde. Schon am 2. Juli 1648 wird bei einem Erkundungsritt zum Willinger Steg der Aiblinger Bürgermeister Georg Doll von einer schwedischen Streife im Sonnfeld erschossen. Als am 13. Juli 1648 eine schwedische Abteilung zwischen Thierham und Adelfurt ein Lager bezog, versuchten die Aiblinger mit Verstärkung aus dem Umland einen Überraschungsangriff. Dieser gelang zunächst, wobei der schwedische Kommandeur als einer der ersten fiel und die Schweden erhebliche Verluste hatten.Die kampferprobten Landsknechte gewannen aber bald die Oberhand, so daß die Aiblinger sich zurückziehen mußten und sich schließlich am Totenberg verschanzten. Auch dort wurden sie aber bald geworfen und die Fliehenden restlos niedergemacht; nur zwei sollen in einem Versteck im Haus am Graben entkommen sein. Der gesamte Markt Aibling wurde anschließend geplündert, so daß die Aiblinger in den nächsten Jahren keine Steuern aufbringen konnten. 1662 werden erstmals wegen der Türkengefahr in Aibling 250 Mann zum aktiven Truppendienst gemustert und sofort vereidigt. Gleichzeitig wird berichtet, daß der Schießstand "weil gänzlich ruinös" zusammenbrach. Aibling hatte bereits seit 1600 wohl einen der ältesten Schießstände Bayerns, der auf dem Grundstück des heutigen städtischen Bauhofs an der Glonn (Fl. Nr. 265) hinter dem Schützenwirt lag. Er konnte erst 1726 mit Hilfe von Darlehen, die man von sämtlichen Ortschaften der Umgebung aufnahm, wieder errichtet werden.So bestehen von Au und lrschenberg noch Unterlagen über Kredite in Höhe von je 100 Gulden! Während das Schießen nach der Scheibe sich schon immer großer Beliebtheit erfreut, ist das sonn-und feiertägliche Exerzieren nicht nach dem Geschmack der Bayerischen Bevölkerung.So schreibt der Oberst von Zündt in einem Bericht 1741: "Die Kompanien müssen fleißig üben, denn nicht ein Mann hat darin nur die geringste Erfahrung". |
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1703 Als im beginnenden spanischen Erbfolgekrieg Rosenheim von
österreichischen Truppen besetzt wird, sind die Aiblinger Schützen 1705 Der geistige Führer des Oberländeraufstandes ist der Aiblinger Pfleger Freiherr Franz Quirin von Schmid (1703-1735), der am Abend des 18. Dezember 1705 in einer flammenden Rede im Kloster in Tölz die Delegierten und Vertrauensleute zum Kampf für die Freiheit Bayerns und für den Kurfürsten aufruft. Ihm zur Seite stehen der Pfleger Alram von Valley und der Pfleger Dänkl von Tölz. Nur durch die bestehende Organisation der Landfahnen war es möglich alle wehrfähigen Männer des Oberlandes in nur 5 Tagen aufzubieten. So stellt das Pflegegericht Aibling 500, Valley 400 und Rosenheim 100 Mann zum Generalaufgebot. Die Aiblinger stellen somit rd. 1000 Mann, die sich am Sammelplatz in Schäftlarn einfinden; darunter auch der Bürgermeister des Marktes Aibling, Harter. Weiterhin erwähnt werden der Schwegelpfeifer von Vagen und der Trommler von Gotzing. Auf Anweisung des Pflegers von Valley wird die Herstellung einer Fahne einem Aiblinger Maler übergeben; auf der einen Seite soll sie das churbairische Wappen mit der Umschrift: "Churbairische obere Landesdefension" und auf der anderen Seite die Muttergottes als Patrona Bavariae mit der Aufschrift: "Auf Dich hoffen wir" zeigen. Fahnenträger war der legendäre Balthasar Riesenberger aus Bach bei Holzolling. Dem historischen Vorbild von 1705 wurde der Neuentwurf der Fahne der Aiblinger Gebirgsschützen nachempfunden. Beim Anrücken der österreichischen Armee unter General Kriechbaum erkannten die Pfleger die aussichtslose Situation und forderten zum Rückzug auf, doch der angestaute Haß gegen die Besatzung treibt die Oberländer vor die Tore Münchens. Der Bairische Volksaufstand endet in der Mordweihnacht von Sendling. Die Osterreicher brechen den zugesagten Waffenstillstand. So entkommen nur wenige dem Massaker. Nach den Aiblinger Unterlagen zeichnete sich in Sendling der Kistler Hans Berberich (48) durch besondere Tapferkeit aus, der zusammen mit Abraham Mössner aus Ellmosen und Christoph Egrainer aus Willing fiel. Die übrigen Gefallenen stammten aus den Orten: Aibling, Au, Berbling, Ellbach, Feldkirchen, Götting, Helfendorf, Hochstätt, Irschenberg nd Niklasreuth, Kirchdorf, Litzldorf, Ostermünchen, Pang, Pfaffenhofen, Rosenheim, Rott und Tuntenhausen. Von einigen dieser Orte sind noch vollständige Namenslisten der Toten bekannt. Beim Aiblinger Magistrat lag eine Rechnung über die Behandlung von 26 Verwundeten durch den Bader Jakob Wörschl in der Kirchzeile auf. Nach Angaben des Seilers Balthasar Fackler fielen beim Verhör alle 25 Aiblinger, die mit ihm zogen.Nur noch 40 Aiblinger und 160 Valleyer kamen am 13. Januar 1706 nach Hause. Für die Gefallenen wurde in Aibling noch lange Jahre ein Gedenkgottesdienst gehalten . Zur Strafe erhält am 15.2.1706 der Markt militärische Besatzung und wird ihm "halbe Brandschatzung mit 4.000 Gulden" auferlegt. Dies war eine ungeheure Summe! Wolfratshausen und Rosenheim erhielten je 6.000 Gulden, Schäftlarn und Tölz je 8.000 Gulden Brandschatzung. Nach inständigen Bitten des Magistrats werden davon 2.000 Gulden erlassen, doch war der Markt so verarmt, daß er ein Darlehen von der Landschaft aufnehmen mußte, dessen Tilgung erst 1718 abgeschlossen werden konnte. |
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1743 werden von den Österreichern 1.500 Eichen in Aibling am Windschlag gefällt und nach Wien für das dortige Zeughaus verschifft. Im gleichen Jahr werden 6 Aiblinger Schützen ständig nach Neubeuern zur Verteidigung gegenTiroler Einfälle kommandiert, die wöchentlich abgelöst werden. 1805 wird die allgemeine Wehrpflicht in Bayern erlassen. 1808 erläßt König Max I. Josef am 13. Januar einen Befehl, daß "alle Bürger, so das Seitengewehr tragen und unter 60 Jahren sind", exerzieren müssen (Gefahr der Tiroler Einfälle). |
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1809 unterstützen die Aiblinger Schützen besonders im Inntal
das freiwillige Jägerbataillon bei Audorf und erhalten dafür vom 1809-1813 beginnt dann eine allgemeine Begeisterung mit der angeordneten Volksbewaffnung und Bildung eines freiwilligen Jägerbataillons. Die Neuorganisationen der Landfahnen, die nunmehr "Nationalgarde III" nach franz. Vorbild genannt werden und später die Bezeichnung "Landwehr" bekommen, setzt jetzt ein. Für den Wehrkreis XI - Salzachkreis - werden in der Aufstellung der Nationalgarde III für Aibling 2 Füsilierkompanien aufgeführt, was eine beträchtliche Zahl gewesen sein muß, da Rosenheim vergleichsweise nur 3 und Wasserburg 2 Kompanien zu stellen hatte. Als Hauptleute der Kompanien werden Franz Xaver Storfinger, Handelsmann und Wolf Heilmeier, Rotgerber, genannt. Als Oberleutnant Anton Fischer, Glaser und Mathias Volz, Handelsmann; als Unterleutnant Josef Duschl, Bräuer und Josef Sirtl, Lebzelter - also lauter angesehene Bürger! 1834 Die Aiblinger Gebirgsschützenkompanie scheint noch einige Zeit bestanden zu haben, da die beiden Kompanien zum letzten Mal geschlossen mit Musik nach Kiefersfelden ausrückten - zur Feier des Geburtstages und der Einweihung der König-Otto-Kapelle am 1. Juni mit 66 Mann zu Fuß und 27 Mann zu Pferd. Sie sollen 1848 durch königlichen Befehl aufgelöst worden sein, da die Aufgaben der Landesverteidigung dann endgültig durch die Landwehr übernommen wurden. So erhielt Aibling das 74. Landwehrbataillon, dessen Kommandant der Rentamtmann Wolfgang Schmid wurde. Leider fehlen für Aibling sämtliche Urkunden, da das Rathaus beim großen Stadtbrand 1765 und später im Jahre 1941 2 x abbrannte und somit alle Urkunden verloren gingen. Die zur Verfügung stehenden Unterlagen stammen durchwegs aus Literaturangaben. |